Hyperfokale Distanz

Blende, Schärfe und die Hyperfokale Distanz

Die Blende: Sie kann einen Teil der Lichtstrahlen beschneiden, welche durch das Objektiv auf den Bildsensor (oder Film) fallen. Ist die Blende ganz geöffnet (Anfangsöffnung, die Lichtstärke des Objektivs) werden alle Lichtstrahlen zum Sensor gelassen. Dies ermöglicht die maximale Lichtausbeute (kürzere Verschlusszeiten), bei geringster Schärfentiefe (Portraitfotografie). Die Schärfentiefe bezeichnet den Bereich der scharfen Abbildung vor und hinter der Schärfenebene, welche durch die Entfernung des Scharfstellrings am Objektiv festgelegt wurde. Wie der Name sagt: Die Tiefe der Schärfe.
Wird die Blende etwas geschlossen, können die Lichtstrahlen im Randbereich der Linsen nicht mehr zum Sensor gelangen. Dadurch verbessert sich die Abbildungsqualität (die Linsenrandbereiche erzeugen die deutlichsten Abbildungsfehler) und die Schärfentiefe wird größer. Dafür kommt aber weniger Licht zum Sensor und es muss länger belichtet werden.
Bei voll abgeblendetem Objektiv, ist die Blende so weit wie möglich geschlossen. Dies erzeugt die maximale Schärfentiefe. allerdings sinkt die Abbildungsqualität (durch Beugungseffekte) wieder und die Belichtungszeiten werden noch länger.

Brennweiten: Je geringer die Brennweite eines Objektives ist, desto größer wird die Schärfentiefe. Bei Tele-Objektiven ist es entsprechend anders herum. Dies kommt der Panoramafotografie zu Gute, da hier in aller Regel alle Bildelemente scharf abgebildet werden sollen. Um eine ausreichende Schärfentiefe zu erreichen, reicht es bei Weitwinkel- und Fisheye-Objektiven also, die Blende auf einen mittleren Wert abzublenden.

Optimale Abbildung: In aller Regel liegt der Blendenöffnungswert für eine optimale Abbildungsleistung eine Objektivs bei der Hälfte des Anfangswertes. (Dies entspricht allerdings einem Viertel der Fläche der maximalen Blendenöffnung. Die Mathematik dahinter: Der Blendenöffnungswert entspricht dem Durchmesser der Blendenöffnung, daher beeinflusst er die Fläche der Blendenöffnung quadratisch.) Hat das Objektiv beispielsweise eine Anfangsöffnung von 1/2,8 (auch Lichtstärke genannt, steht meist vorne auf dem Objectiv), entspricht also die Blendenöffnung 1/5,6 dem Wert der besten Abbildungsqualität. Dies kann leicht durch eigene Versuche ausprobiert werden, sollte aber wie gesagt in aller Regel stimmen.

Einstellungen am Objektiv: Sinnvoller Weise benutzt man zur Panoramafotografie also die Hälfte des Anfangswertes der Blende. Dies ergibt eigentlich immer eine ausreichende Schärfentiefe. Allerdings wird oft ein entscheidender Teil dieser Schärfentiefe verschenkt. Nämlich immer dann, wenn das Objektiv auf Unendlich eingestellt wird. Da ein großer Teil des Schärfentiefenbereichs hierbei hinter der Schärfenebene zu liegen kommt, wird dieser nicht genutzt. Nur der Schärfentiefenbereich vor der Schärfenebene kann genutzt werden und nahe Objekte erscheinen unter Umständen unscharf.

Hyperfokale Distanz: Großes Wort, große Wirkung, aber die Bedeutung ist leicht erklärt: "hyper" bedeutet "über" und meint hier soviel wie "größte mögliche", "fokal" kommt von "Fokus" und bedeutet "Schärfe" und Distanz dürfte klar sein. Die hyperfokale Distanz ist also die Entfernungseinstellung am Objektiv, bei der die "größtmögliche Schärfen(tiefe)" erreicht wird. Und dies ist genau dann der Fall, wenn das "hintere Ende" des Schärfentiefenbereichs im Unendlichen zu liegen kommt. Dafür darf die Entfernung der Schärfenebene am Objektiv aber nicht wie so oft auf Unendlich (oder "irgendeinen Motivteil") gelegt werden. Stattdessen kann man durch eine kleine Testreihe ermitteln, welches die (einzige) Einstellung für die hyperfokale Distanz ist. Man sucht sich hierbei ein unbewegtes, weit entferntes (im "Unendlichen") Objekt und fotografiert dies bei optimaler Blende mit verschiedenen Entfernungseinstellungen. Ausgehend von der Einstellung "Unendlich" wird das Motiv hierbei eine ganze Weile scharf abgebildet und ab einem bestimmten Punkt immer unschärfer werden. An diesem Punkt entspricht die Einstellung der hyperfokalen Distanz. Zur Sicherheit ein klitzekleines Stück zurück Richtung Unendlich und man hat die perfekten Einstellung des Objektivs für die Panoramafotografie gefunden.

Die ermittelten Werte für Blende und Entfernung sollten Sie sich notieren und immer verwenden. Um ein Verdrehen der Entfernungseinstellung zu verhindern, kann man auch den Einstellring mit Isolierband fixieren. Es lässt sich problemlos wieder entfernen, sollte man irgendwann einmal nicht mit optimaler Abbildungsleitung und maximaler Schärfentiefe arbeiten. Aber will man das? Dafür hat man ja eigentlich andere Objektive... ;-)